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Being with Godwin
by Katherina

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Lewella March 1999

"Godwin is sleeping, just go in!"

I found this a little strange but I went in anyway. And there was Godwin sleeping soundly on the white sheet. For a moment I just stood and then I sat down beside his bed and watched Godwin sleeping.

He was so skinny. Nobody I think realised then just how ill he was. Although he mentioned once or twice that he suffered from pain he never ever complained, and he was always available when he was needed. And he was needed a lot. He was a loving, patient, spiritual friend to all.

Every Saturday Godwin came to Uplands, a tea plantation not far from Nilambe, to meditate with the labour-line children. Although there were no Buddhists among them they all looked forward to Saturday afternoon when the tall, kind gentleman in white came to talk to them, listened to their problems and suggested solutions, finally sitting down with them for 10 or 15 minutes of meditation.

Afterwards, when he asked how the children felt while sitting still, being silent, playing with their breath, Godwin's eyes were bright and there was a happy smile on his face. They all enjoyed the experience.

Godwin loved children, he loved the childlike mind. And children adored Godwin, because he understood them, he took them seriously, he would listen to them and laugh with them.

Meditation with children was something Godwin was really interested in. The childlike mind, so simple, sincere and open, was what he wanted us all to achieve.

Godwin was an excellent psychologist. All his advice was carefully fitted to each individual personality. But his wisdom and advice was not the most important quality. Much more than with words he taught by being who he was. His kindness, gentleness and sincerity were unsurpassed. His selflessness was unique in my experience. He was an example for how we all could learn to be in order to create a better world.

Loving kindness, the most important and most valuable human quality, Godwin practised it to perfection.

Of course, finally I did wake him up, that March day in Lewella. We had an appointment to see somebody who needed help. And he had promised to come along...

It had all begun about a week earlier.

I have no idea how Godwin came to know about it, but the fact is he knew there was this little disturbance in my friendship with dear Amara. Skilfully Godwin told us about the strike going on in a big hospital and suggested my friend and I go over there together and distribute some gruel, which we did. Only afterwards we realised how cleverly Godwin had managed to get us together again and to help the patients in one stroke.

On that day in the hospital something strange happened. When I turned a corner to the stairs in my usual hurried Western way I suddenly found in my arms a tiny Tamil women, clinging to my neck, soaking my t-shirt with an endless stream of tears.

It turned out that she was soon to be released from hospital and was horribly afraid to go back to her husband who frequently abused her.

When I told Godwin about this he said he knew the head physician of that hospital and would have a word with him.

In the end there was no way to protect the Tamil woman. Godwin just couldn't change law and tradition which states that a woman belongs to her husband.

But during our hospital visits Godwin always very naturally became the center of attention. Everybody showed him the deepest respect. Differences in religion or social class simply disappeared. Patients and staff alike sought his advice and blessing.

Many were the people I saw talking to him and moving on with a more relaxed or happier face. He had a friendly and consoling word for everyone. Wherever Godwin went people were smiling. So I thought waking up Godwin that day was not in vain, even though we could not help that poor woman.

Watching Godwin walk through this hospital in Kandy made me think of the Buddha's first seven steps, because wherever Godwin went he left fragrant lotus flowers in his footsteps and the perfume of those steps remain with me to this day.

 

Mit Godwin

Lewella März 1999

"Godwin schläft, geh ruhig rein!"

Ich fand das ein wenig merkwürdig, aber ich ging trotzdem rein. Und da lag Godwin, auf dem weissen Bettlaken, in tiefem Schlaf. Einen Moment stand ich nur ganz still, dann setzte ich mich neben das Bett und schaute Godwin beim Schlafen zu.

Er war so schrecklich dünn. Ich glaube, damals war niemandem so richtig klar, wie krank Godwin schon war. Obwohl er ab und zu erwähnte, dass er Schmerzen habe, hat er sich nie beklagt. Er war immer da, wenn er gebraucht wurde. Und er wurde so sehr gebraucht. Er war allen ein liebevoller, geduldiger spiritueller Freund.

Jeden Sonnabend kam Godwin nach Uplands, einer Teeplantage nicht weit von Nilambe, um mit den Kindern der Teearbeiter zu meditieren. Obwohl sie alle keine Buddhisten waren, freuten sie sich auf den Sonnabend Nachmittag, wenn der grosse freundliche Mann in Weiss zu ihnen kam, um mit ihnen zu reden, sich ihre Probleme anzuhören und Lösungen dafür vorzuschlagen. Dann setzte er sich zu ihnen, um 10 oder 15 Minuten zu meditieren.

Danach, wenn er die Kinder fragte, wie es war, so still zu sitzen, ruhig zu sein und mit dem Atem zu spielen, glänzten Godwins Augen und es war ein Lächeln in seinem Gesicht. Alle hatten Freude an dieser Erfahrung.

Godwin liebte Kinder, er liebte den kindlichen Geist. Und die Kinnder liebten Godwin, weil er sie verstand und ernst nahm. Er hörte ihnen zu und konnte mit ihnen lachen.

Meditation mit Kindern war etwas, das Godwin sehr interessierte. Der kindliche Geist, so einfach, aufrichtig und offen, war es, was Godwin uns allen vermitteln wollte.

Godwin war ein erstklassiger Psychologe. All seine Vorschläge und Empfehlungen waren der individuellen Persönlichkeit der Meditierer angepasst. Aber seine Weisheit und seine Empfehlungen waren nicht das Wichtigste. Viel mehr als mit Worten lehrte er durch das, was er war. Seine Güte und Integrität waren unübertroffen, seine Selbstlosigkeit einzigartig. Er war ein Beispiel dafür, wie wir alle lernen könnten zu sein, um eine bessere Welt zu erschaffen.

Liebende Güte, die wichtiste und wertvollste menschliche Eigenschaft - Godwin verkörperte sie zur Perfektion.

Natürlich habe ich schliesslich doch Godwin geweckt an diesem Märztag in Lewella. Wir hatten eine Verabredung mit jemandem, der Hilfe brauchte. Und er hatte versprochen, mitzukommen...

Begonnen hatte alles eine Woche zuvor.

Keine Ahnung, wie er davon erfahren hatte. Auf jeden Fall wusste Godwin, dass ein Wölkchen der Zwietracht meine Freundschaft mit Amara getrübt hatte.

Geschickt erzählte er uns von dem Personalstreik in einem grossen Krankenhaus in Kandy und schlug vor, dass Amara und ich gemeinsam dort Essen verteilen könnten. Das taten wir auch. Und erst später wurde uns so richtig klar, wie clever Godwin es arrangiert hatte, Amara und mich zu versöhnen und gleichzeitig den Menschen im Krankenhaus zu helfen.

An diesem Tag im Krankenhaus passierte etwas merkwürdiges. Als ich mit typisch westlicher Eile um die Ecke zur Treppe sauste, fand ich plötzlich in meinen Armen eine winzige tamilische Frau, die sich um meinen Hals klammerte und mein T-shirt mit einem unstillbaren Strom von Tränen einweichte.

Es stellte sich heraus, dass ihre Entlassung aus dem Krankenhaus kurz bevor stand und sie ganz schreckliche Angst hatte, nach Hause zu gehen, weil ihr Mann sie regelmässig misshandelte.

Als ich Godwin davon erzählte, sagte er, dass er den Chafarzt des Krankenhause kenne und mit ihm reden werde.

Letztendlich konnten wir der armen Frau nicht helfen. Selbst Godwin konnte nichts ausrichten gegen Gesetzte und Tradition, die bestimmen, dass eine Frau zu ihrem Mann gehört.

Aber während unserer Besuche im Krankenhaus wurde Godwin ganz natürlich zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Alle bezeugten ihm tiefen Respekt. Unterschiede in Religion oder sozialer Klasse verschwanden. Patienten und Krankenhausangestellte suchten seinen Rat und seinen Segen.

Ich sah viele Menschen, die mit Godwin sprachen und danach entspannter und glücklicher wirkten. Er hatte ein freundliches oder tröstliches Wort für jeden.

Wo immer Godwin ging, lächelten die Menschen. Ich dachte damals, dass es doch nicht vergeblich war, Godwin aufzuwecken, obwohl wir der armen Tamilin nicht helfen konnten.

Als ich Godwin beobachtete, wie er durch das Krankenhaus ging, erinnerte es mich an die ersten sieben Schritte des Buddha. Denn wo immer Godwin ging, hinterliess er duftenden Lotus als seine Fussspuren. Und ein Hauch des Lotusduftes umgibt mich bis heute.